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Die Zeitreisen des Bartholomeus von Bennigsbach

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Kinderbücher: Die Zeitreisen des Bartholomeus von Bennigsbach

Von Gast-Rezen­sent Mat­thias Schnei­der-Dominco

Wie wird das Wet­ter mor­gen?” – „Ach, ich würd‚s am liebs­ten rück­gän­gig machen!”

Seit Men­schen­ge­den­ken ist es der Wunsch, so ein biss­chen am Rad der Zeit dre­hen zu kön­nen. Dem Flie­gen stell­ten sich ledig­lich die Gesetze der Schwer­kraft und Aero­dy­na­mik ent­ge­gen. Ver­gli­chen damit errei­chen die Hin­der­nisse, die sich dem zwei­ten gro­ßen Traum, den Zeit­rei­sen, ent­ge­gen­stel­len, gera­dezu schwin­del­erre­gende Höhen.

Immer­hin, im Geiste sind diese mühe­los über­wind­bar und in der Lite­ra­tur auch viel­fach bereits bezwun­gen wor­den. Man denke nur an die Väter des sei­ner­zeit miss­trau­isch beäug­ten neuen Gen­res Sci­ence Fic­tion vom Schlage eines Jules Verne oder H. G. Wells. Sie erkann­ten das erzäh­le­ri­sche Poten­zial, würde man Prot­ago­nis­ten unbe­grenzt auf der Zeit­leiste agie­ren las­sen kön­nen. Das beflü­gelte ihre Fan­ta­sie.

Her­aus kamen noch heute gern gele­sene Klas­si­ker. Rei­sen in die Ver­gan­gen­heit brin­gen uns schnell an logi­sche Gren­zen, aus deren Über­schrei­tung sich jedoch krea­tive Fun­ken schla­gen las­sen. Ist man als Zeit­rei­sen­der nur Beob­ach­ter oder auch Teil­neh­mer? Kann man sich selbst begeg­nen? Und wie wirkt sich eine unver­meid­li­che Ein­fluss­nahme aus? Fra­gen, die weit ins Phi­lo­so­phi­sche aus­grei­fen.

Doch nun hat es wie­der einer gewagt. Allein mit Hilfe von Stahl, Rost und Dampf umgeht der adlige Tüft­ler Bar­tho­lo­meus von Ben­nigs­bach die Pro­bleme von Mul­ti­ver­sen und Infor­ma­ti­ons­pa­ra­do­xien. Aller­dings, so gibt der Klap­pen­text von Andreas A. Rei­chelts jüngs­ter Erzäh­lung zu, nach 14 lan­gen Jah­ren har­ter Arbeit, nach Jah­ren des Schrau­bens und Jus­tie­rens, des Ver­su­chens und des Schei­terns.

Her­aus­ge­kom­men ist eine Zeit­ma­schine, die mor­pho­lo­gisch einer Schne­cke gleicht. Bes­tens aus­ge­stat­tet ist die Figur, sie besitzt sogar einen eben­falls dampf­be­trie­be­nen Uni­ver­sal­über­set­zer hin­ter dem Ohr, und wagt den klei­nen Schritt in die Zeit­ma­schine, der aber einen Rie­sen­schritt für die Mensch­heit bedeu­tet.

Ben­nigs­bach, Schloss- und Hirn­be­sit­zer, legt Wert auf ein dis­tin­gu­ier­tes, gepfleg­tes Erschei­nungs­bild. Er begibt sich in dem Bänd­chen zwei­mal in die Ver­gan­gen­heit. Zunächst ins Jahr 1613, um sich im Lon­do­ner Globe Thea­ter die Auf­füh­rung des Shake­speare-Stü­ckes „Hein­rich VIII” anzu­se­hen. Ob es zu einem Ren­contre mit dem Dich­ter­fürs­ten kom­men wird, soll an die­ser Stelle ebenso wenig ver­ra­ten wer­den, wie der Aus­gang mit den in fla­granti ange­trof­fe­nen Brand­stif­tern.

In der zwei­ten Geschichte geht es ins 7. vor­christ­li­che Jahr­hun­dert. Ange­regt durch die Auf­füh­rung von Robert Schu­manns Ver­to­nung des Heine’schen Gedich­tes „Bel­sa­zar” begibt sich Ben­nigs­bach unmit­tel­bar an den Vor­abend einer Zei­ten­wende, in den könig­li­chen Prunk­saal von Baby­lon. Bel­sa­zar fei­ert ein rau­schen­des Fest. Er weiß die feind­li­chen Trup­pen der Meder und Per­ser vor der Stadt, ver­traut aber auf die eigene Unein­nehm­bar­keit. Im wein­se­li­gen Über­mut macht der selbst­ge­fäl­lige Herr­scher den ent­schei­den­den Feh­ler: er läs­tert den Gott der Gefan­ge­nen Juden Jehova.

Was Ben­nigs­bach schon im Kon­zert hörte, kann er nun mit eige­nen Augen beob­ach­ten. Die Flam­men­schrift an der Wand, die Rat­lo­sig­keit der Magier, die das Mene­te­kel jedoch nicht zu lesen ver­ste­hen. Bis der alte Pro­phet Daniel erscheint und die Deu­tung kund­tut.

Rei­chelt ist mit den „Steam Snail’s Tailes” ein durch­aus über­zeu­gen­der Aus­flug in den Steam­punk gelun­gen. Mit sei­ner leich­ten und locke­ren Schreibe ver­sucht er behut­sam, sein jün­ge­res Publi­kum an ein lite­ra­ri­sches Niveau her­an­zu­füh­ren. Wie schrieb Loriot noch einst in sei­ner Buch­kri­tik: „[…] bei aller Offen­heit zeigt das Werk eine unge­wöhn­li­che Rein­heit der Spra­che, und man sollte nicht zögern, es der her­an­rei­fen­den Jugend in die Hände zu legen […]”. Dem möchte ich mich unein­ge­schränkt anschlie­ßen.

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Die Zeitreisen des Bartholomeus von Bennigsbach: The Steam Snail´s Tales”

Von: A.A. Rei­chelt
Ver­lag: TWENTYSIX
Jugend­buch ab 12 Jah­ren
ISBN: 978–3740729738
Taschen­buch: 84 Sei­ten
For­mat: 12,7 x 0,5 x 20,3 cm
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