Venedig verbannt Kinderbücher

Im Juni wählte Vene­dig einen neuen Bür­ger­meis­ter. Es wurde der 53-jäh­rige Luigi Brug­naro. Ein rei­cher Unter­neh­mer, der neben­bei Prä­si­dent und Besit­zer des ört­li­chen Bas­ket­ball­ver­eins Reyer Vene­zia ist. Der Kan­di­dat trat mit sei­ner eige­nen Wahl­liste an, der Lista Brug­naro. Er siegte, weil er neben Wäh­lern aus der Mitte auch Anhän­ger der aus­län­der­feind­li­chen Lega Nord hin­ter sich ver­sam­meln konnte. Außer­dem reg­nete es bei der Stich­wahl und nur 49 Pro­zent der Bür­ger gaben ihre Stimme ab. Jetzt haben die Vene­zia­ner den Salat.

Als eine der ers­ten Amts­hand­lun­gen ver­bannt Brug­naro Bücher aus Kin­der­gär­ten, die ihm irgend­wie suspekt erschei­nen. Er ließ ins­ge­samt 49 Titel ein­sam­meln. Unter den ent­fern­ten Kin­der­bü­chern befin­det sich unter ande­rem „Das kleine Blau und das kleine Gelb” von Leo Lionni (Blau und Gelb sind Freunde, dann ver­lie­ren sie sich, als sie sich wie­der fin­den, umar­men sie sich so fest, dass sie grün wer­den). Auch dabei ist „Der rote Max” von Éric Bat­tut (die Geschichte einer unge­wöhn­li­chen Freund­schaft zwi­schen Katze und Vogel). Es sind Bücher, die sich auf die eine odere andere Art mit Dis­kri­mi­nie­rung, Tole­ranz, Anders­sein beschäf­ti­gen.

Exper­ten” sol­len die Bücher jetzt den Som­mer über genau prü­fen. Alles, was sie als irgend­wie „schwul” bewer­ten, kommt dann dau­er­haft auf den Index. Bücher, die Homo­se­xua­li­tät als etwas Nor­ma­les dar­stel­len (wie etwa die Pin­guin-Love-Story „And Tango Makes Three”) könn­ten die Eltern ihren Kin­dern ja zuhause vor­le­sen. Der Rest dürfe wie­der in die Kin­der­gär­ten zurück, ver­spricht Brug­naro. Wie groß­zü­gig.